| AUFTRAGGEBER | PROJEKT | BEREICH | DATUM |
|---|---|---|---|
| Cabaret Voltaire | Cabaret Voltaire - Berlin | Interior | 4/2009 |














„Cabaret Voltaire“ – moderne Hommage an den historischen Dadaismus
Im Berliner Trend-Stadtteil Friedrichshain hat die urbane Szene seit kurzem eine Location mit dadaistischem Hintergrund: Das Galerie-Projekt „Cabaret Voltaire“, eine Plattform für kulturelle Events, lässt seine Gäste mit den Besuchern der gleichnamigen Webseite in Echtzeit interagieren. Realer und virtueller Raum beeinflussen sich dabei gegenseitig, ohne dass die Teilnehmer dies bewusst wahrnehmen.
München/Berlin: Alles fließt – dies könnte der Leitspruch des Berliner „Cabaret Voltaire“ sein. Künstler, Musiker, Autoren, aber auch angesagte DJs und Designer finden sich seit Ende Februar regelmäßig im minimalistischen Ambiente eines ehemaligen Ladenlokals ein. Es geht seither recht lebhaft zu: So verschieden die Events im Gründerzeitbau, so bunt auch deren Gästeschar.
Die Idee des Projekts: Denn wie bereits 1916 zur Geburtsstunde des Dadaismus im legendären „Cabaret Voltaire“ in Zürich wechselt nicht nur das Programm, sondern auch das Publikum und die jeweilige Stimmung im Tagesturnus. Diesen steten Wandel können Nutzer der gleichnamigen Webseite Cabaret Voltaire, Berlin zu Hause in Echtzeit und bester dadaistischer Tradition erleben. Denn auf dem Bildschirm gibt es keine Live-Übertragung via Webcam vom Ort des Geschehens zu sehen. Dafür ein „pulsierendes Abbild“, dessen grafische Signale und wechselnde Schriftarten lediglich Chiffren der Wirklichkeit darstellen.
Umgekehrt wirken die online-Besucher auf die zur gleichen Zeit in Berlin Anwesenden ein: Via Rückkoppelung erzeugen die codierten Nutzerinformationen auf einer 1,0 mal 2,5 Meter großen Glaswand im „Cabaret Voltaire“ wandernde Lichtphänomene. Alle Besucher – ob am PC oder „echt“ vor Ort – sind so miteinander vernetzt, ohne dies bewusst wahrzunehmen.
Die Technik: Im Berliner Realraum registrieren sieben von der Decke
hängende Antennen Änderungen der Feldstärken. Herrschen dort großer Andrang und Bewegung, beeinflusst dies die Datenlage. Das denkbar simple Verfahren geht auf ein experimentelles Musikinstrument aus der Dada-Blütezeit in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts zurück, das so genannte „Theremin“. Ein modernes Midi-Interface leitet dessen analoge Signale digitalisiert über eine USB-Schnittstelle an einen Rechner weiter, wo ein Programm die eingehenden Daten interpretiert. Die jeweilige Dynamik des Datenaufkommens generiert dann ein ständig wechselndes Designraster auf den Monitoren der Website-Besucher.
In der Friedrichshainer Galerie hingegen steuert ein Thermoplotter die mit thermosensitiver Siebdruckfarbe beschichtete Glasfläche an, auf der dadurch helle Verläufe sichtbar werden.
Aufgezeichnet und archiviert wird dabei keine Sekunde, da dies der authentischen Intention von Betreibern und Ideengebern der neuzeitlichen Dada-Galerie vollkommen widersprechen würde.
Der Hintergrund: Das Konzept des Berliner „Cabaret Voltaire“-Projekts ist „Made in München“: Es stammt vom Kreativbüro designliga und wurde in enger Zusammenarbeit mit der Firma Form&Code technisch entwickelt und realisiert. designliga-Innenarchitektin Christina Koepf sieht in der Herangehensweise an das Berliner Projekt ein Musterbeispiel dafür, wie Ihr Team derartige Gestaltungs-aufgaben umsetzt: „designliga schafft die Form aus dem Inneren heraus und nicht umgekehrt.“ Mit seinem multifunktionalen, modularen Mobiliar aus Seekiefernholz ist das gesamte Interieur des „Cabaret Voltaire“ zudem äußerst mobil: In einer einzigen Kiste verstaut hat es in einem Kleintransporter Platz. Auf Gastspiele der intelligenten Dada-Hommage in anderen Städten darf man deshalb gespannt sein. Denn: Alles fließt!
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